Baum des Jahres 2021: Europäische Stechpalme

Kurzer Steckbrief zum Baum des Jahres 2021
(Europäische Stechpalme, Ilex aquifolium)

Der Name „Stechpalme“ klingt ungewöhnlich und hat seinen Ursprung in seiner Verwendung als kirchlich geweihter Palmwedelersatz im mittleren Europa, z. B. bei Palmsonntagsprozessionen. Schon im 16. Jahrhundert war dies der unter Botanikern gebräuchliche deutsche Name. Heute wird bei uns der botanische Gattungsname „Ilex“ mehr verwendet.
Neben der Wildform Ilex aquifolium gibt es inzwischen eine sehr große Anzahl von Gartenformen der Stechpalme. Meist sind dies die weiblichen Pflanzen, damit sie im Herbst und Winter die dekorativen roten Früchte tragen. Allerdings sind diese Früchte beim Verzehr giftig. Deshalb sind für Standorte in der Nähe von Spielplätzen, Kindergärten und Schulen männliche Sorten gefragt.

Herkunft und Verbreitung: Die Stechpalme wuchs bereits vor über zwei Millionen Jahren in einer subtropischen Waldgemeinschaft auf dem damals deutlich wärmeren europäischen Kontinent. Heute fühlt sie sich in Europa überall dort wohl, wo es dank nicht allzu ferner Meeresflächen recht milde Winter ohne
Früh- und Spätfröste und nicht allzu trockene Sommer gibt. Ihr heutiges natürliches Verbreitungsareal ist daher das klimatisch stark durch den Atlantik geprägte Westeuropa von der Südwestküste Norwegens bis zur Iberischen Halbinsel. Gut kommt sie auch an den mediterran geprägten Berghängen der Alpen, des Apennin und des westlichen Balkans zurecht, und zwar in den höheren Lagen, wo es nicht zu heiß und nicht zu trocken ist. Auch entlang der türkischen Schwarzmeerküste bis hin zum Kaukasus und im Norden Afrikas – im Atlasgebirge beispielsweise – ist sie zu finden. In Deutschland zieht sich die Ostgrenze ihrer natürlichen Verbreitung diagonal etwa von der Odermündung bis ins Saarland (d. h. sie wächst in Gebieten nordwestlich dieser Linie). Weiter südlich kommt sie noch in voneinander getrennten Wuchsgebieten im Pfälzerwald, im Schwarzwald und am Nordrand der Alpen vor. Aber ansonsten ist es der Stechpalme südöstlich dieser Linie für ein dauerhaftes Überleben in der freien Natur oft zu frostig oder zu trocken.

Eigenschaften und Ansprüche: Bevorzugt wächst die Europäische Stechpalme auf nährstoffreichen und kalkarmen, lockeren oder auch steinigen Lehmböden Sie scheut Licht und gedeiht am besten im Halbschatten oder Schatten. Das immergrüne Laub verbleibt mehrere Jahre am Baum (bzw. Strauch) und wird nach etwas drei Jahren erneuert.
Die Pflanze gilt als frosthart bis -15°C. Obwohl sie Standorte liebt, die nicht zu trocken sind gilt sie trotzdem als austrocknungstolerant (s. Wikipedia, Stand 15.02.2021).
Die Pflanze gilt als „Krisengewinnlerin“ im laufenden Klimawandel. Bereits in den letzten Jahrzehnten hat sie sich in Skandinavien weiter ausgebreitet. Die wärmer werdenden Winter bringen ihr auch bei uns Vorteile: Da ihre Fotosynthese bereits bei Temperaturen ab 0°C anläuft kann die Art in den Wintermonaten davon profitieren, wenn die umstehenden Bäume ohne Laub da stehen und das Licht ungehindert auf die kleineren Bäume oder Sträucher fallen kann.

Wachstum, Vermehrung: Abhängig von ihrem Standort findet man unterschiedliche Wuchsformen der Stechpalme. In „normalen“ Misch- oder Laubwäldern wächst sie meist in Strauchform und in die Breite, die Höhe liegt bei ein bis zwei, maximal bei etwa 5 Metern. In sehr lichten Wäldern, Grünanlagen oder Gärten wächst sie aber baumförmig mit einem geraden Stamm und einer kegelförmigen Gestalt, sie kann dort zehn Meter hoch werden, in seltenen Fällen auch bis zu fünfzehn Meter. Der Stammumfang überschreitet selten das Maß von 1 Meter. In Deutschland wurden aber auch schon Exemplare mit bis zu 3 Metern Stammumfang und einem geschätzten Alter von ca. 300 Jahren gefunden. Die Pflanze ist zweihäusig, d.h. es gibt männliche und weibliche Exemplare.
Die Blütezeit reicht von Mai bis Anfang Juni. Damit die in Parks und Gärten gewünschten roten Früchte erscheinen können müssen auch einzelne männliche Exemplare in der Nähe der weiblichen Pflanzen stehen. Die roten Früchte enthalten je vier Steinkerne, welche die Samen enthalten. Die Samen werden von Vögeln verbreitet, welche die Früchte aber erst fressen, nachdem diese mehrfach einem Frost ausgesetzt waren.

Verwendung: In klimatisch gemäßigten Gebieten wird die Stechpalme jetzt vor allem als Zierpflanze in Gärten und Parks angepflanzt. Das Holz wurde früher u. a. zu Intarsien und zu Druckstöcken für Holzschnitte verarbeitet. Auch Spazierstöcke berühmter Personen (z. B. Franz Liszt, Johann Wolfgang von Goethe) waren aus solchem Holz gefertigt. Die giftigen Früchte wurden gegen Verstopfung und Epilepsie eingesetzt, die Blätter gegen Magenschwäche, das Wechselfieber (Malaria) und in Südeuropa auch gegen Rheuma. Die gerösteten Samen dienten auch als Kaffee-Ersatz. Die dunkelgrünen Zweige mit den wunderschönen roten Früchten waren schon seit Jahrhunderten ein beliebter Schmuck in der kühlen Jahreszeit von Anfang November bis Ostern. Das massenhafte Ernten der Zweige führte Anfang des 20. Jahrhunderts zu ersten Protesten von Naturschützern gegen diese Art der (Über-)Nutzung. Seit 1935 steht die wild wachsende Europäische Stechpalme deutschlandweit unter besonderem Schutz, sie darf weder kommerziell noch privat gepflückt, beschnitten oder ausgegraben werden.

Giftigkeit: Lt. Wikipedia (Stand 15.02.2021) sind die Blätter sowie die (roten) Früchte für Menschen gering giftig. Die Dr. Silvius Wodarz Stiftung berichtet, dass die Früchte nach dem Verzehr zu mittelschweren Vergiftungen führen können. In älterer Literatur werden insbesondere die Beeren als stark giftig beschrieben
(20 bis 30 Beeren als tödliche Dosis). Nach aktuellem Stand werden die Beeren hingegen als gering giftig eingestuft. Als Symptome einer Vergiftung werden Übelkeit, Erbrechen, in älterer Literatur auch Herzrhythmusstörungen, Lähmungen, Nierenschäden, Durchfall, Magenentzündung und Schläfrigkeit beschrieben.